TV total als Bürgers Qual?

März 18, 2008

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Dass zwischen Fernsehen und Politik eine Koppelung besteht ist keine bahnbrechend neue Einsicht. Auffällig ist hingegen, dass mittlerweile eine Art Rückkoppelung besteht. Die Politik nimmt sich mehr und mehr ein Beispiel an bestehenden Fernsehkonzepten.
Einen Konzeptklau ohne Gleichen nimmt vor allem der Gesetzgeber vor. Da wird an den Grundrechten rumgebogen, wie es Uri Geller an Löffeln kaum besser könnte. Auch das dahinter stehende Konzept erinnert sehr an „The next Uri Geller“ und könnte fast schon als „The next Otto Schily“ durchgehen.
Aber fangen wir von vorn an: Otto Schily war ein Großmeister der Grundrechtsverbiegung, Spezialgebiet Freiheitsgrundrechte. Mit seinen Otto-Katalogen hat er geschafft, wovon viele Sicherheitsfanatiker vor ihm nur geträumt haben. Gut, man muss zugeben, dass Otto es ziemlich einfach hatte. Er musste nicht einmal bis Shalosh zählen, da waren seine Maßnahmenkataloge schon durch. Die Umstände waren einfach günstig, die Steilvorlage wurde von einigen Hamburger Studenten geliefert.Mittlerweile versuchen es auch andere. Viele hingegen sind bereits in der ersten Runde gescheitert. Zwar hatte Ottos Nachfolger Wolfgang Sch. seinen Trick sehr gut vorbereitet, indem er immer und immer wieder versuchte, dem Publikum eine konkrete Terrorgefahr weiszumachen. Geklappt hat es schlußendlich dennoch nicht. An der Jury war einfach kein Vorbeikommen.
Die Jury, das sind -Grundgesetz sei Dank- noch immer die Damen und Herren vom Bundesverfassungsgericht. Noch entscheidet nicht das Publikum mittels TED oder SMS-Voting. Wäre vielleicht auch zu gefährlich, schliesslich hat es Wolfgang Sch. bereits geschafft, vielen das Prinzip „hascht nix getan, brauscht nix befürchte“ einzutrichtern. Andere Konzepte, wie beispielsweise ein Casting a la „Deutschland sucht den Verfassungsrichter“, abhängig von den Vorträgen der Kandidaten in den jeweiligen Mottoshows („Hits von heute, Onlinedurchsuchung und Folter“ oder „Oldies but goldies, Ermächtigungsgesetze und andere Verfassungsbrüche“) bei denen allein das Publikum entscheidet („Horst, Du bist leider nicht weiter.“) und an dessen Ende ein 12-Jahres-Vertrag mit der Deutschland Inc. winkt, sind auch gescheitert.
Bedeutet dies das Ende der „wirklich guten“ Fernseh-Konzepte in der Politik? Mitnichten, der Gesetzgeber macht fleissig weiter mit der TV-Verwurstung. Schade nur, dass er in der medialen Unterschicht verweilt. So sieht er die Urteile der Jury nur noch als Vorschläge, schreit nach jedem dieser Vorschläge „no deal“ und lässt den nächsten Koffer der Pandora öffnen.
Warten wir ab, was 2009 bringt. Dann nämlich werden neue Quoten veröffentlicht. Und auch hier hält sich in der Politik hartnäckig das TV-Prinzip: „Hauptsache, die Quote stimmt“.